Systematik für Nachhaltigkeitsanforderungen in Planungswettbewerben (SNAP)

Kurzfassung zum BMVBS-Forschungsprojekt

 

Das Ziel des Forschungsprojektes bestand in der Entwicklung einer Methodik, die gewährleistet, dass vorentwurfsrelevante Nachhaltigkeitskriterien bereits frühzeitig in Planungswettbewerben der öffentlichen Hand – bei denen die Anwendung des BNB-Systems vorgegeben ist – und gleichermaßen bei kommunalen oder privaten Verfahren Berücksichtigung finden können.

Cover des Empfehlungen zur SNAP Methodik (Quelle: BMVBS)

Städtebau- und Architekturwettbewerbe verfügen in Deutschland über eine jahrhundertelange Tradition. Die erste Wettbewerbsordnung datiert aus dem Jahre 1867. Wettbewerbe sind demnach ein bedeutendes Instrument der Baukultur und dienen Auslober zugleich als Garant, bei komplexen Problemstellungen die jeweils besten Lösungen hervorzubringen.

Es existiert allerdings eine ersichtliche Diskrepanz zwischen verbreitetem Wissen und Wettbewerbspraxis: Erfahrungsgemäß beginnt die Entwicklung von Architekturkonzepten, die den umfassenden Kriterien des nachhaltigen Bauens entsprechen, mit der Grundlagenermittlung und die Einflussmöglichkeiten nehmen bereits nach dem Vorentwurfsstadium ab. Doch derzeit sind ökologische, energetische oder nachhaltige Beurteilungskriterien kaum wettbewerbsentscheidend – Nachhaltigkeit wird meistens als additiver Zusatz von Entwurfsprozessen betrachtet.

Damit die Zielstellungen und Anforderungen des nachhaltigen Bauens zukünftig in Wettbewerbsverfahren phasengerecht Wirksamkeit erfahren, erscheinen insbesondere Empfehlungen zu folgenden vier zentralen Fragestellungen erforderlich:

Frage 1: Welche Nachhaltigkeitskriterien sind phasengerecht bzw. wettbewerbsrelevant?

Das „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB)“ bzw. das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB)“ bilden derzeit den weltweit umfassendsten Kriterienkatalog zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Gebäuden ab. Von den Kriterien dieser Zertifizierungssysteme sind ein Teil bereits im Vorentwurf, andere Aspekte erst in späteren Leistungsphasen bzw. nach Fertigstellung zu beachten. Auf Grundlage des BNB-Systems erfolgt die Bestimmung vorentwurfsrelevanter Nachhaltigkeitskriterien, -indikatoren und Benchmarks, die konsistent in den jeweiligen Wettbewerbsphasen (u. a. Auslobung, Vorprüfung und Preisgericht) zur Anwendung gelangen. Zudem wird eine wettbewerbstaugliche Struktur entwickelt, die eine Zusammenführung mit verfahrensüblichen Beurteilungskriterien und die Definition aufgabenspezifischer Indikatoren ermöglicht.

Frage 2: Wie und in welcher Detailtiefe werden diese Kriterien qualitativ und/oder quantitativ überprüft? Ist eine (Grob-)Berechnung zu den Aspekten Energiebedarf, LCC (Lebenszykluskostenanalyse) und LCA (Ökobilanz) angemessen?

Alle in der Auslobung gestellten Anforderungen müssen sich im Rahmen der Vorprüfung mit angemessenem Aufwand evaluieren lassen. Je nach Aufgabenstellung lässt sich die geeignete Vorgehensweise (vereinfachte Abschätzung auf Grundlage von Planungskennwerten bzw. Prognose mittels externer Instrumente) auswählen und im bereitgestellten „SNAP-Vorprüfungs-Tool“ im Kontext der umfassenden Evaluation aller vorgenannten 15 Nachhaltigkeitskriterien implementieren.

Frage 3: Wie erfolgt die Bewertung der Vorprüfergebnisse und Darstellung für das Preisgericht?

Ein auf die wesentlichen Informationen komprimierter und grafisch anschaulicher Vorprüfbericht unterstützt die Preisrichter bei der Analyse und Bewertung der vielschichtigen Datenmenge. Der Bericht sollte gleichermaßen die Ergebnisse der formalen bzw. inhaltlichen Vorprüfung sowie der Nachhaltigkeits-Vorprüfung umfassen. Die Nachhaltigkeitsevaluation erfolgt mittels grafischer Auswertung von Œ Planungskennwerten,  textlicher Beschreibung der Arbeiten auf Ebene einzelner Kriterien sowie Ž Einzelbewertung der Kriterien mittels Ampelindikatoren (alternativ Balkendiagrammen). Dabei wird die Evaluation ohne Gewichtung oder Gesamtnote auf Kriterienebene einzeln ausgewiesen.

Darstellung der Auswertung nach der SNAP-Methodik (Quelle: BMVBS)

 

Frage 4: Wie müssen Wettbewerbsverfahren strukturiert und durchgeführt werden, um in allen Phasen zu gewährleisten, dass die Nachhaltigkeitsanforderungen wirksam werden?

Architekturwettbewerbe sind auch als „sozialer Prozess“ zu betrachten. Die Integration von Nachhaltigkeitszielen kann nur dann gelingen, wenn von der Vorbereitung bis zum Abschluss des Wettbewerbs sämtliche Verfahrensphasen Berücksichtigung finden sowie neben der Einbindung aller entscheidenden Akteure die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen erfolgt. Zudem soll die vorgeschlagene Methodik flexibel auf die jeweiligen Wettbewerbsaufgaben und –ziele reagieren können. Infolgedessen wurden spezifische Vorgehensweisen entwickelt, die eine Unterscheidung u. a. zwischen „Basis-Anforderungen“ und „erweiterten Anforderungen“ ermöglicht.

Ergebnisse: Das vorliegende Projekt trägt dazu bei, den aktuellen Stand des Wissens und der Forschung zur Nachhaltigkeitsbeurteilung von fertiggestellten Gebäuden in die frühe Planungsphase zu transferieren und eine praxisgerechte Methodik aufzuzeigen, wie sich Nachhaltigkeitsanforderungen in Architekturwettbewerbe verankern lassen. Dabei entstanden im Rahmen dieses Vorhabens folgende Teilergebnisse:

  1. Broschüre „Empfehlungen“
  2. der „Endbericht“ mit Hintergrundinformationen und Herleitung der Methodik
  3. das excelbasierte „Vorprüfungs-Tool“ zur Beurteilung der Nachhaltigkeitsanforderungen, zzgl. „Erfassungsbogen Energie und Nachhaltigkeit“  und „LCC-Tool“
  4. die „Benutzerhinweise zum Vorprüfungs-Tool“

Eine anschließende Pilotphase soll zur Validierung und Optimierung der SNAP-Methodik beitragen.

>> Link zu den Unterlagen auf der Website des BBSR und des BMVBS.

 

Auftraggeber:

Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Forschungsnehmer:

TU Darmstadt, Fachbereich Architektur, Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, Prof. Manfred Hegger, Darmstadt
Dipl.-Ing. Johanna Henrich

ee concept gmbh, Spreestraße 3, 64295 Darmstadt
Dr.-Ing. Architekt Matthias Fuchs, Franziska Hartmann, Christian Wagner, Martin Zeumer

Architekturbüro H.R. Preisig, Schaffhauserstraße 21, CH-8006 Zürich
Prof. Dipl.Arch. SIA Hansruedi Preisig